Mehr Tempo, mehr Tiefe

Wie Automation den Workflow optimiert
Marius Effinger

Die Geschwindigkeit und die Ansprüche der Kunden nehmen laufend zu. Der Familienbetrieb Roth & Effinger begegnet diesen Herausforderungen mit Innovationskraft, Weitsicht und Investitionen in Digitalisierung und Automation.

«Ich hatte Zweifel, ob der Familienbetrieb etwas für mich ist», erinnert sich Marius Effinger. Der 31-jährige hat eine Lehre als Industriemechaniker sowie ein Machinenbaustudium in der Tasche und kennt das Unternehmen Roth & Effinger seit seiner Jugend. Sein Vater ist der langjährige Geschäftsführer Gebhard Effinger, und dennoch hielten sich die beruflichen Berührungspunkte lange Zeit in Grenzen. 

 

Marius Effinger wollte Karriere machen in der Entwicklung und Konstruktion von Maschinenkomponenten und war überzeugt, der Familienbetrieb könne ihm nicht die Herausforderungen bieten, die er sucht. Er dachte, er wäre hier unterfordert – dann war plötzlich Pandemie. 

Marius Effinger

Die Vielfalt ist extrem breit, unsere Fertigungstiefe hoch und die Kundenaufträge sind teils sehr komplex.

Marius Effinger

Projektkoordinator Roth & Effinger

Umdenken in der Krise 

Während Covid herrschte Stillstand in vielen Betrieben – nicht so bei Roth & Effinger. Also begann der junge Ingenieur, im Familienunternehmen auszuhelfen. Der Vater und sein Geschäftspartner Lars Roth, der Sohn des Unternehmensgründers, empfingen ihn mit offenen Armen. «Schnell war mir bewusst: Ich muss meine Meinung revidieren», erinnert sich Marius Effinger, nachdem er besser vertraut war mit dem Betrieb. «Die Vielfalt ist extrem breit, unsere Fertigungstiefe hoch und die Kundenaufträge sind teils sehr komplex.» Marius Effinger warf seine Vorbehalte über Bord und sagt heute: «Die Herausforderungen hier machen richtig Spass.»

 

Inzwischen arbeitet auch der jüngere Sohn David Effinger im Betrieb. Er verantwortet die Montage, das Laserschweissen sowie diverse andere betriebliche Aufgaben. Mit dieser Verstärkung durch die nächste Generation ist das Unternehmen bestens aufgestellt für die Zukunft.

Gebhart Effinger, Marius Effinger, Lars Roth

Co-Geschäftsführer Gebhard Effinger, Projektkoordinator Marius Effinger und Co-Geschäftsführer Lars Roth.

Fertigungstiefe nimmt zu 

Was Marius Effinger die Augen geöffnet hat, zeigt ein Blick in die 3000 Quadratmeter grosse Fertigungshalle mit dem ebenso modernen wie vielseitigen Maschinenpark. Hier arbeiten rund 40 Spezialisten, die eine breite Palette an Materialien bearbeiten – von Metallen über Kunststoffe bis hin zu Gummi und organischen Werkstoffen wie Holz. Trotz dieser Vielfalt: Die Kernkompetenz von Roth & Effinger liegt in der Blech- und Baugruppenfertigung und auch da ist das Spektrum gross.  

 

«Aktuell fertigen wir für einen Kunden aus Dubai eine Baugruppe aus Edelstahl, deren Fertigungstiefe alles bisherige übertrifft», sagt Marius Effinger. Das Modul komme bei der Aufbereitung von Wasser zum Einsatz und bestehe aus drei runden ineinander verschweissten Elementen, die millimetergenau aufeinander abgestimmt sind: ein mit Permanentmagnet beschichteter Kern, ein Mantel und eine Fassung. Dabei kommen mehrere Bearbeitungsverfahren zur Anwendung und die Toleranzen sind aussergewöhnlich eng – das Mass an Komplexität sei bei diesem speziellen Auftrag enorm hoch.          

 

Ein weiteres Leuchtturmprojekt der Firma Roth & Effinger ist die Herstellung von Baugruppen und Komponenten. Gleich beim Eingang hängt ein Plan eines rekordverdächtigen Backofens: Für einen insgesamt 17,6 Meter langen, 3 Meter breiten und im Brennerbereich 4,6 Meter hohen Plattenbandofen, der für einen Kunden aus der Bäckereibranche gefertigt wird. Auch bei diesem Auftrag zeigt sich die Vielfalt der Kompetenzen, die zusammenspielen müssen: Schweissen, Biegen/Abkanten/Umformen, Mechanische und CNC-Bearbeitung und natürlich das Spezialgebiet: Laserschneiden. 

Der Bystronic-Laser
Halle Roth & Effinger

Neuer Laser schraubt Tempo hoch 

«Beim Laserschneiden sind wir seit jeher stark», sagt Gebhard Effinger und Lars Roth ergänzt. «Da waren wir schon immer in der Lage, grosse Stückzahlen in wenig Zeit zu fertigen.» Gemeint sind etwa die 20'000 bis 30'000 Platten pro Jahr in Stärke 6,75 Millimeter für einen lokalen Landmaschinenproduzenten. «Solche Serien lassen sich heute noch effizienter und kostengünstiger abarbeiten». 

 

Mit ein Grund für die Temposteigerung und nochmalige Erhöhung der Präzision beim Laserschneiden ist der 2025 getätigte Kauf eines Faserlasers ByCut 3015 samt der automatischen Be- und Entladelösung ByLoader Flex. Mit dieser Neuanschaffung verfügt der Familienbetrieb heute über insgesamt drei Faserlaser von Bystronic mit Laserstärken von 6 kW, 8 kW und 10 KW. 

Innovationskraft in der DNA 

In Sachen Laserschneiden kommt man in der Region nicht um Roth & Effinger herum. Aber nicht nur das: «Das Unternehmen spielt in vielen Bereichen in der obersten Liga – speziell auch was Innovationen betrifft», erzählt Bystronic-Verkäufer Bernhard Eid. Seit vielen Jahren arbeite man zusammen und könne voneinander profitieren im Bestreben, die Blechbearbeitung weiterzuentwickeln.

 

Was Bernhard Eid meint, wenn er von Innovationskraft spricht, zeigt sich etwa beim Rohmaterialhandling. «Früher haben wir das Material beim Laserschneiden vom Boden aufgehoben – das war umständlich», sagt Marius Effinger. Für einen besseren Workflow wurden in eigener Produktion zwei höhenverstellbare Tische konstruiert: Auf dem einem Tisch stapelt das Rohmaterial zur Beladung der ByCut 3015 via Flexloader. Auf dem anderen werden die geschnittenen Flachbleche abgelegt, auseinander genommen und sortiert. «Die beiden Tische optimieren die Zugänglichkeit und Ergonomie für die Bediener. Und es lassen sich auch mehr Teile bevorraten, was praktisch ist bei Nachtläufen.» 

ByCut 3015

Hochregallager für 1000 Tonnen Rohmaterial

Damit jederzeit ausreichend Rohmaterial verfügbar ist – auch dafür ist bei Roth & Effinger gesorgt. Alle Metallplatten lagern im Hochregallager: die vier Regaltürme sind je 17 Meter hoch, bieten Platz für 314 Paletten – und sind vollautomatisiert. Die Gesamtkapazität liegt bei nahezu 1000 Tonnen Rohmaterial. 

 

«Was man hat, hat man», sagt Marius Effinger ganz cool und in seiner trockenen Art. «Der Vorrat vereinfacht unseren Workflow und bietet Planungssicherheit.» Denn angesichts der Unsicherheiten in den Lieferketten ist es zentral, jederzeit Rohmaterial zur Verfügung zu haben, um Rahmenverträge termingerecht und zum vereinbarten Preis erfüllen zu können.

 

Versorgungssicherheit spielt auch beim Schneidgas fürs Laserschneiden eine zentrale Rolle. Deshalb ragt seit Frühjahr 2026 draussen vor Tor 3 ein 14 Meter hoher Gastank in die Luft, der 24'000 Kubikmeter Stickstoff fasst. «Dank dieser Speicherkapazität reduzieren sich die Gaslieferungen massiv und im Schichtbetrieb ist die Gasversorgung jederzeit sichergestellt», sagt Marius Effinger. 

Beim Schweissen
Gabelstapler
Ein Mann mit einer Schweisser-Maske
Ein Mann vor einem Tisch mit Blechen

Handarbeit schrittweise reduzieren

Schicht- und Nachtschichtbetrieb sind auch deshalb zum Thema geworden, weil die Geschwindigkeit beim Laserschneiden steigt und steigt. In den Folgeprozessen – Biegen, Fräsen und Schweissen – steckt aber noch sehr viel Handarbeit. Die geplante Investition in eine Bystronic Mobile Bending Cell mit Automation markiert deshalb den nächsten Schritt hin zur mannlosen Fertigung. 

 

Die Biegeautomation dürfte die Workflows stark beschleunigen, ist laut Marius Effinger aber auch eine Frage der optimalen Allokation der Ressourcen. «Wenn ein Facharbeiter Prototypen einfährt oder Sonderteile biegt statt 35 Stunden für ein Serienteil an der Abkantpresse zu sitzen, bringt uns das insgesamt deutlich mehr.» Schliesslich nimmt die Fertigungstiefe laufend zu und die grosse Flexibilität gehört seit jeher zur Philosophie: «Wir wollen nicht nur Serien. Einzelteile und Prototypen sind die Losgrössen, die uns krisensicher machen», erklärt Marius Effinger.

Die Produktionshalle von Roth & Effinger

Konstruktion neu im Haus

Das 1987 gegründete Unternehmen ist trotz Krisen stetig gewachsen – dank kontinuierlichem Aufbau von internem Fachwissen. Neu bietet es auch Konstruktionsleistungen an: von Neukonstruktionen bis zur Optimierung bestehender Lösungen, stets mit Fokus auf kostengünstige und effiziente Fertigung. 

 

Das neue Konstruktionsangebot ist eine Reaktion auf die steigende Nachfrage lokaler Kunden. «Kleine konstruktive Änderungen machen ein Teil oft deutlich günstiger», erklärt Marius Effinger. «Eine zu eng tolerierte Bohrung kann die Kosten um bis zu 20 Prozent erhöhen.» Deshalb sei eine enge Abstimmung mit den Kunden beim Toleranzfeld entscheidend. 

Oberstes Gebot:  Flexibilität 

Die hohe Kundenorientierung zeigt sich bei Roth & Effinger fast täglich. Oftmals muss es nämlich schnell gehen, etwa weil bei einem Kunden die Maschinen stillstehen. «Braucht ein Kunde dringend ein Teil, stellen wir in der Fertigung um und setzen die Prioritäten des Tages neu», sagt Geschäftsinhaber Lars Roth. 

 

Neue Bestellungen treffen telefonisch oder via digitale Kanäle ein: Kunden können ihre CAD-Zeichnungen per Email oder B2B Webshop einreichen und nach Stückzahl und auf Termin bestellen. Neben Flachteilen oder Biegeteilen stehen auf digitalem Weg auch Leistungen wie Entgraten oder Pulverbeschichten im Angebot.

 

Kommt ein Blitzauftrag herein, wird dieser direkt im ERP-System erfasst und die Tagesplanung in Echtzeit angepasst. Alle Bildschirme in der Werkhalle zeigen sofort die aktualisierte Auftragsliste. Gleichzeitig mit der Auftragserfassung erhält jedes Teil eine Betriebsartikelnummer. «Damit läuft jedes Teil komplett durch», sagt Marius Effinger. Diese Rückverfolgbarkeit ist nicht nur praktisch, sondern auch zentral für die Qualitätssicherung. 

Kleine konstruktive Änderungen machen ein Teil oft deutlich günstiger.

Marius Effinger

Projektkoordination Roth & Effinger

Digitalisierung weiter ausbauen

In nächster Zeit sollen digitale Möglichkeiten noch stärker genutzt werden. In Planung ist ein neues ERP-System: «Die Auftragserfassung und -abarbeitung sollen weiter optimiert und das Hochregal integriert werden», sagt Marius Effinger mit Blick nach vorne. Die Rohmaterial-Erfassung gilt es noch konsequenter durchzuziehen – um den Einkauf weiter planen zu können. 

 

Als wachstumserfahrener Betrieb weiss die Geschäftsleitung um Lars Roth, Gebhard Effinger und Marius Effinger: Jeder Ausbau – und damit jede Investition – muss durch Kundenaufträge gedeckt sein. Das Trio ist sich einig: «Wir gehen Schritt für Schritt vor und entwickeln uns gleichsam weiter mit dem lokalen Markt». Mit diesem Rezept ist Roth & Effinger in knapp 40 Jahren von sieben auf vierzig Mitarbeitende gewachsen – und zu einem unverzichtbaren Teil der Brigachtaler Industrie geworden.

Kennzahlen

Mitarbeitende: 40 

Umsatz: 5 Mio EUR

Bystronic-Kunde seit: 1987
Industriesegmente: Maschinenbau, Gerätebau, Datenerfassung, Sonderfahrzeuge, Medizin, Verteidigungstechnik, Anlagenbau, Automatisierungstechnik, Garten- und Landschaftsbau, Landwirtschaft 

 

Bystronic-Anlagen: ByStar Fiber 3015 6 kW, ByStar Fiber 3015  8 kW, ByCut Fiber 3015 10kW, Xpert 250, Xpert 80 (in Planung)

Brigachtal: Idylle trifft Unternehmergeist

Die Gemeinde Brigachtal ist typisch für viele Ortschaften im süddeutschen Bundesland Baden-Württemberg: Idyllisch gelegen inmitten von intakter Natur, mit einer vielfältigen Vereinskultur und wirtschaftlich erfolgreich durch viel Unternehmergeist. In der Gemeinde leben rund 5200 Menschen, ihr Motto ist: «Attraktiver leben».

 

Baden-Württemberg zählt zu den führenden Wirtschaftsregionen Europas. Das Bundesland wird geprägt durch bekannte Weltkonzerne aus der Automobilindustrie, der Elektrotechnik und dem Maschinenbau sowie zahlreichen bedeutenden Familienunternehmen. Dieses Zusammenspiel von grossen Betrieben und einem starken Mittelstand sorgen für wirtschaftliche Attraktivität und Wohlstand.